Haarausfall nach Magenbypass: Vorübergehend, aber nicht harmlos
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Mehr als jede(r) zweite Operierte verliert nach bariatrischer Chirurgie Haare. Die S3-Leitlinie der DGAV nennt Haarausfall als eines der ersten klinischen Warnsignale für Proteinmangel. Die gute Nachricht: Telogen Effluvium ist reversibel – wenn man die Ursachen versteht
Drei bis sechs Monate nach der Magenverkleinerung beginnt es schleichend: Mehr Haare in der Bürste, auf dem Kopfkissen, im Abfluss. Was viele Patienten als vorübergehende Begleiterscheinung abtun, ist in Wahrheit ein Alarmsignal des Körpers.
Eine systematische Meta-Analyse von 18 Studien mit 2.538 Patienten zeigt: Haarausfall kommt bei 57 Prozent der Patienten nach bariatrischer Chirurgie vor (Martinez-Ortega). Einzelne Studien berichten von Prävalenzen zwischen 4,5 und 80 Prozent – abhängig vom Operationstyp und der Nachsorgequalität.
Der zeitliche Verlauf ist charakteristisch: Der Haarausfall beginnt durchschnittlich 3,4 Monate nach der Operation und erreicht seinen Höhepunkt zwischen dem dritten und sechsten Monat.
Der postoperative Haarausfall folgt einem spezifischen Muster, das Dermatologen als Telogen Effluvium bezeichnen. Was passiert im Körper?
Der massive Gewichtsverlust in den ersten Monaten nach der Operation stellt einen physiologischen Stressfaktor dar. Dieser Stress veranlasst Haarfollikel, vorzeitig von der Wachstumsphase (Anagen) in die Ruhephase (Telogen) zu wechseln. Nach etwa drei Monaten fallen diese Haare dann aus.
Der Mechanismus dahinter ist evolutionär sinnvoll: Wenn Ressourcen knapp werden, priorisiert der Körper lebenswichtige Funktionen. Die Haarproduktion gehört nicht dazu.
Der entscheidende Punkt: Haar besteht zu etwa 95 Prozent aus Keratin – einem Strukturprotein. Für dessen Synthese benötigt der Körper alle acht essentiellen Aminosäuren.
Die S3-Leitlinie formuliert es eindeutig: "Erste klinische Zeichen eines Eiweißmangels können Haarausfall, brüchige Nägel oder eine Ödemneigung sein."
Das Haar ist damit ein Frühwarnsystem. Wenn es ausfällt, signalisiert der Körper: Die Proteinbausteine reichen nicht mehr für alle Aufgaben.
Was viele nicht wissen: Bereits vor dem Eingriff sind Nährstoffdefizite bei Adipositas-Patienten weit verbreitet. Die Leitlinie dokumentiert präoperative Mängel bei:
Eisen: 21,8 Prozent
Folsäure: 21,3 Prozent
Magnesium: 35,4 Prozent
Vitamin D: 17,5 Prozent
Das bedeutet: 28,5 Prozent der Patienten weisen bereits vor der Operation gleichzeitig zwei oder mehr Mikronährstoffmängel auf.
Nach der Operation verschärft sich die Situation dramatisch:
Zinkmangel nach BPD-DS: 92 Prozent innerhalb eines Jahres (Sallé et al., 2010)
B12-Mangel nach Magenbypass: 33-37 Prozent innerhalb von drei Jahren (Brolin, 2002)
Eisenmangel mit Anämie nach Magenbypass: 20-39 Prozent
Vitamin D-Mangel: 63 Prozent der Operierten
Evidenz aus Übersichtsarbeiten zeigt, welche Faktoren stark mit postoperativem Haarausfall zusammenhängen:
Niedriges Serum-Zink: Zink ist essentiell für die Zellteilung in den Haarfollikeln. Die Resorption von Zink ist an Fett gebunden – nach Bypass-Operationen mit Fettmalabsorption sinkt die Aufnahme drastisch.
Niedriges Ferritin: Eisen wird im Duodenum und proximalen Jejunum resorbiert – genau den Darmabschnitten, die beim Magenbypass umgangen werden. Die Eisenspeicher unter dem Optimum beeinträchtigen die Haarmatrix direkt.
Niedriges Folat und Vitamin B12: Beide B-Vitamine sind für die DNA-Synthese in schnell teilenden Zellen unverzichtbar. Ohne ausreichenden Intrinsic Factor aus dem Magen kann B12 kaum noch aufgenommen werden.
Protein-Malnutrition: Die Leitlinie dokumentiert, dass die Proteinverdauung nach Magenbypass durch verminderte Salzsäureproduktion beeinträchtigt ist. Nach BPD-DS ist die Proteinabsorption sogar um etwa 25 Prozent verringert (Kessler et al., 2019).
Nach einer Magenverkleinerung steht der Körper vor einem paradoxen Problem: Der Bedarf an Protein und Mikronährstoffen steigt – während gleichzeitig die Aufnahmekapazität drastisch sinkt.
Die Leitlinie empfiehlt ein Minimum von 60 Gramm Protein täglich – oder 1,5 Gramm pro Kilogramm Normalgewicht. Nach BPD-DS sogar 90 Gramm. Doch der verkleinerte Magen fasst nur noch 100 bis 150 Milliliter.
Ein herkömmlicher Proteinshake von 300 bis 400 Millilitern überfordert da schnell. Hinzu kommt: Die enzymatische Verdauungskapazität ist um 30 bis 50 Prozent reduziert.
Die Lösung liegt nicht in der Menge, sondern in der Effizienz der zugeführten Nährstoffe:
Do: Auf die Qualität der Proteinbausteine achten. Für die Keratinsynthese müssen alle acht lebenswichtigen Aminosäuren verfügbar sein – nicht nur einzelne.
Do: Mikronährstoffe gezielt supplementieren. Die Leitlinie empfiehlt nach Magenbypass: Zink 8-15 mg/Tag, Eisen 45-60 mg/Tag (bei menstruierenden Frauen 50-100 mg), B12 oral 1000 µg/Tag.
Don't: Große Proteinmengen auf einmal konsumieren – das überfordert den verkleinerten Magen und führt zu Übelkeit oder Erbrechen.
Don't: Haarausfall als unvermeidbar akzeptieren. Die Leitlinie betont: Bei nachgewiesenem Mangel oder entsprechender Symptomatik muss eine Dosisanpassung erfolgen.
Kristalline Aminosäuren mit allen acht essentiellen Bausteinen bieten einen spezifischen Vorteil: Sie benötigen keine Verdauung, werden direkt im oberen Dünndarm aufgenommen – vor den Bypass-Abschnitten – und liefern die Bausteine für die Keratinsynthese bei minimalem Volumen.
Permanente Alopezie wurde in keiner der größeren Studien beobachtet. Mit adäquater Ernährungsanpassung regeneriert das Haarwachstum. Der durchschnittliche Haarausfall dauert 5,5 Monate – danach beginnt bei den meisten Patienten die Erholungsphase.
Die Leitlinie formuliert es klar: Nach allen Bypass-Operationen ist eine lebenslange Supplementation erforderlich. Das Haar zeigt früh an, wenn diese Versorgung nicht stimmt.
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→ Der 7:1 Effizienz-Vorteil: Warum 6 g Aminosäuren 40 g Protein ersetzen
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Nach bariatrischer Chirurgie sollte die Nachsorge immer in Absprache mit dem behandelnden Adipositas-Team erfolgen.
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