Muskelabbau nach der Magen-OP: Wenn die Waage den Erfolg überschätzt

Muskelabbau nach der Magen-OP: Wenn die Waage den Erfolg überschätzt

Écrit par : everydays

|

|

Temps de lecture 6 min

Die Waage zeigt 30 Kilogramm weniger – ein Triumph. Doch was die Zahl verschweigt: Ein erheblicher Teil dieses Gewichtsverlustes stammt nicht aus Fettgewebe, sondern aus Muskulatur. Die S3-Leitlinie warnt: Hypoproteinämie ist der häufigste Makronährstoffmangel nach bariatrischer Chirurgie. Die Konsequenzen reichen weit über die Ästhetik hinaus.

Die Zahl, die niemand sehen will

20, 30, manchmal 40 Kilogramm weniger – die Gewichtskurve nach bariatrischer Chirurgie ist beeindruckend. Doch eine Zahl auf der Waage verrät nicht, woraus sich der Gewichtsverlust zusammensetzt.


Eine Meta-Analyse zur Sarkopenie-Prävalenz nach bariatrischer Chirurgie zeigt alarmierende Zahlen: Im Durchschnitt entwickeln 32 Prozent der operierten Patienten eine Sarkopenie – also einen pathologischen Verlust an Skelettmuskulatur. Nach Magenbypass-Operationen liegt die Prävalenz sogar bei 59 Prozent.


Der zeitliche Verlauf ist schleichend und deshalb gefährlich: Innerhalb des ersten Jahres zeigen nur 3 Prozent der Patienten messbare Zeichen einer Sarkopenie. Nach einem Jahr sind es bereits 24 Prozent. Nach mehr als einem Jahr steigt die Prävalenz auf 55 Prozent. Der Muskelabbau geschieht im Verborgenen – während alle auf die Waage schauen.

Die katabole Falle

Die S3-Leitlinie beschreibt den Mechanismus präzise: "Bedingt durch die geringen postoperativen Nahrungsmengen und die katabole Stoffwechsellage ist ein Eiweißmangel postoperativ relativ häufig."


Drei Faktoren treiben den Muskelabbau:


Das Mengenproblem: Studien zeigen, dass 40 Prozent der Magenbypass-Patienten und 85 Prozent der Schlauchmagen-Patienten selbst die empfohlene Mindestmenge von 60 Gramm Protein pro Tag nicht erreichen. Der verkleinerte Magen – er fasst nur noch 100 bis 150 Milliliter – macht es vielen schlicht unmöglich, ausreichend Protein auf einmal aufzunehmen.


Das Verwertungsproblem: Selbst wenn Protein konsumiert wird, kommt es nicht vollständig an. Die Leitlinie dokumentiert: Nach Magenbypass ist die Proteinverdauung durch verminderte Salzsäuresekretion beeinträchtigt. Nach BPD-DS ist die Proteinabsorption sogar um etwa 25 Prozent verringert.


Der Stress-Katabolismus: Der massive Gewichtsverlust in den ersten Monaten versetzt den Körper in einen katabolischen Zustand. Fehlt externes Protein, greift der Organismus auf endogene Proteinreserven zurück – und die größte davon ist die Skelettmuskulatur.

Das mTOR-Paradox: Warum die Menge nicht entscheidet

Der mTOR-Signalweg ist der zentrale molekulare Schalter für die Muskelproteinsynthese. Dieser Signalweg wird durch die Verfügbarkeit von Aminosäuren – insbesondere Leucin – aktiviert. Fehlen essentielle Aminosäuren, bleibt mTOR inaktiv, und die Muskelproteinsynthese kommt zum Erliegen.


Das Paradox: Es reicht nicht, irgendein Protein zu essen. Die Leitlinie betont ausdrücklich die Notwendigkeit einer "adäquaten Proteinzufuhr hoher biologischer Wertigkeit". Ein Proteinshake, der im Darm fermentiert statt resorbiert wird, aktiviert kein mTOR. Ein Steak, das unverdaut den Magen belastet, liefert keine freien Aminosäuren.


Die Forschung zeigt: Wenn Leucin in ausreichender Menge die Muskelzellen erreicht, wird die Muskelproteinsynthese angeschaltet – unabhängig davon, wie viel Gesamtprotein konsumiert wurde. Die Verwertbarkeit entscheidet, nicht die Grammzahl.

Häufig zusammen gekauft

Die Kettenreaktion: Vom Muskelabbau zum Gewichtsregain

Der Muskelverlust hat Konsequenzen, die weit über die Ästhetik hinausgehen. Die Skelettmuskulatur ist das größte metabolisch aktive Organ des Körpers. Sie bestimmt maßgeblich den Grundumsatz – und sie spielt, wie die Leitlinie dokumentiert, eine "zentrale Rolle bei der Diabetesentstehung".


Die Rechnung ist einfach:

  • Pro Kilogramm Muskelverlust sinkt der tägliche Grundumsatz um 50 bis 100 Kilokalorien

  • Bei 5 Kilogramm Muskelverlust – durchaus realistisch in den ersten zwei Jahren – bedeutet das 250 bis 500 Kilokalorien weniger Tagesbedarf

  • Der Stoffwechsel verlangsamt sich strukturell – eine perfekte Voraussetzung für Gewichtsregain

Meta-Analysen zeigen: Nach der Stabilisierungsphase kehrt der Appetit zur Baseline zurück. Die verlorene Muskelmasse aber nicht. Der Körper funktioniert nun mit niedrigerem Grundumsatz bei wieder normaler Kalorienaufnahme. Das sind beste Voraussetzungen für raschen Fettaufbau.


Das Ziel der bariatrischen Chirurgie – so die Leitlinie – ist nicht primär die Gewichtsreduktion, sondern "über eine Gewichtsreduktion und metabolische Veränderungen den Gesundheitszustand, die Lebensqualität und die Lebenserwartung zu verbessern.“

Muskelabbau gefährdet alle drei Ziele.

Die Lösung: Effizienz statt Volumen

Die Leitlinie empfiehlt ein Minimum von 60 Gramm Protein täglich – oder 1,5 Gramm pro Kilogramm Normalgewicht. Doch wie soll ein Magen, der nur 100 Milliliter fasst, diese Mengen verarbeiten?


Hier setzen kristalline Aminosäuren an: Als freie Moleküle benötigen sie keine Verdauung. Sie werden direkt im oberen Dünndarm resorbiert – vor den Bypass-Abschnitten – und erreichen die Muskulatur in ihrer aktiven Form. Ein vollständiges Profil aller acht essentiellen Aminosäuren kann den mTOR-Signalweg aktivieren, ohne den verkleinerten Magen zu belasten.


Die Leitlinie selbst weist darauf hin: Patienten mit Problemen beim Verzehr von Fleisch sollten alternative Proteinquellen nutzen. Kristalline Aminosäuren sind die konsequenteste Form dieser Alternative.

Praktische Strategie für Muskelerhalt

Do: Krafttraining in die Nachsorge integrieren. Der mechanische Stimulus ist essentiell, um dem Körper das Signal für Muskelerhalt zu geben. Die Leitlinie fordert eine lebenslange Nachsorge – Bewegung gehört dazu.


Do: Auf vollständige essentielle Aminosäurenprofile achten. Die Leitlinie betont: Proteinzufuhr "hoher biologischer Wertigkeit" ist entscheidend.


Do: Die Proteinzufuhr auf mehrere kleine Portionen verteilen, um die mTOR-Aktivierung mehrfach täglich zu triggern.


Don't: Nur auf die Waage schauen. Körperzusammensetzung – nicht Gesamtgewicht – ist der relevante Parameter.


Don't: Training aufgrund niedriger Energie ausfallen lassen. Gerade in der Kalorienrestriktion ist der Muskelstimulus unverzichtbar.

Kernaussagen

  • 32 bis 59 Prozent der bariatrischen Patienten entwickeln eine Sarkopenie

  • Die S3-Leitlinie nennt Hypoproteinämie als häufigsten Makronährstoffmangel

  • Proteinverdauung ist nach Magenbypass durch reduzierte Salzsäure beeinträchtigt

  • Muskelabbau reduziert den Grundumsatz und erhöht das Risiko für Gewichtsregain

  • Der mTOR-Signalweg benötigt essentielle Aminosäuren

  • Krafttraining plus optimierte Aminosäurenversorgung ist die evidenzbasierte Strategie

Unsere Empfehlung: smap


smap bietet eine optimale Mischung aus 8 essentiellen Aminosäuren, die speziell auf die Bedürfnisse des menschlichen Körpers abgestimmt sind. So kannst Du kristalline Aminosäuren einfach in Deinen Alltag integrieren.


Warum smap? 

✅  Vegan


✅  100% medizinisch reine, kristalline Aminosäuren
 
✅  Ohne künstliche Zusätze
 
✅  Laborgeprüfte Reinheit



Weiterlesen

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Nach bariatrischer Chirurgie sollte die Nachsorge immer in Absprache mit dem behandelnden Adipositas-Team erfolgen.

Studien & Quellen

Awmf.org. (2025). AWMF Leitlinienregister. [online] Available at: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/088-001.

Mechanick, J.I., Apovian, C., Brethauer, S., Garvey, W.T., Joffe, A.M., Kim, J., Kushner, R.F., Lindquist, R., Pessah-Pollack, R., Seger, J., Urman, R.D., Adams, S., Cleek, J.B., Correa, R., Figaro, M.K., Flanders, K., Grams, J., Hurley, D.L., Kothari, S. and Seger, M.V. (2020). Clinical practice guidelines for the perioperative nutrition, metabolic, and nonsurgical support of patients undergoing bariatric procedures – 2019 update: cosponsored by American Association of Clinical Endocrinologists/American College of Endocrinology, The Obesity Society, American Society for Metabolic & Bariatric Surgery, Obesity Medicine Association, and American Society of Anesthesiologists. Surgery for Obesity and Related Diseases, [online] 16(2), pp.175–247. doi:https://doi.org/10.1016/j.soard.2019.10.025.


Nuijten, M.A.H., Monpellier, V.M., Eijsvogels, T.M.H., Janssen, I.M.C., Hazebroek, E.J. and Hopman, M.T.E. (2020). Rate and Determinants of Excessive Fat-Free Mass Loss After Bariatric Surgery. Obesity Surgery, 30(8), pp.3119–3126. doi:https://doi.org/10.1007/s11695-020-04654-6.


‌Voican, C.S., Lebrun, A., Maitre, S., Lainas, P., Lamouri, K., Njike-Nakseu, M., Gaillard, M., Tranchart, H., Balian, A., Dagher, I., Perlemuter, G. and Naveau, S. (2018). Predictive score of sarcopenia occurrence one year after bariatric surgery in severely obese patients. PLOS ONE, 13(5), p.e0197248. doi:https://doi.org/10.1371/journal.pone.0197248.

Vaurs, C., Diméglio, C., Charras, L., Anduze, Y., Chalret du Rieu, M. and Ritz, P. (2015). Determinants of changes in muscle mass after bariatric surgery. Diabetes & Metabolism, [online] 41(5), pp.416–421. doi:https://doi.org/10.1016/j.diabet.2015.04.003.

Moizé, V.L., Pi-Sunyer, X., Mochari, H. and Vidal, J. (2010). Nutritional Pyramid for Post-gastric Bypass Patients. Obesity Surgery, 20(8), pp.1133–1141. doi:https://doi.org/10.1007/s11695-010-0160-9.

Handzlik-Orlik, G., Holecki, M., Orlik, B., Wyleżoł, M. and Duława, J. (2014). Nutrition Management of the Post–Bariatric Surgery Patient. Nutrition in Clinical Practice, 30(3), pp.383–392. doi:https://doi.org/10.1177/0884533614564995.

Mastaneh Rajabian Tabesh, Eghtesadi, M., Abolhasani, M., Faezeh Maleklou, Fatemeh Ejtehadi and Alizadeh, Z. (2023). Nutrition, Physical Activity, and Prescription of Supplements in Pre- and Post-bariatric Surgery Patients: An Updated Comprehensive Practical Guideline. Obesity Surgery, 33(8), pp.2557–2572. doi:https://doi.org/10.1007/s11695-023-06703-2.

Parrott, J., Frank, L., Rabena, R., Craggs-Dino, L., Isom, K.A. and Greiman, L. (2017). American Society for Metabolic and Bariatric Surgery Integrated Health Nutritional Guidelines for the Surgical Weight Loss Patient 2016 Update: Micronutrients. Surgery for Obesity and Related Diseases, 13(5), pp.727–741. doi:https://doi.org/10.1016/j.soard.2016.12.018.


Sjöström, L., Peltonen, M., Jacobson, P., Sjöström, C.D., Karason, K., Wedel, H., Ahlin, S., Anveden, Å., Bengtsson, C., Bergmark, G., Bouchard, C., Carlsson, B., Dahlgren, S., Karlsson, J., Lindroos, A.-K., Lönroth, H., Narbro, K., Näslund, I., Olbers, T. and Svensson, P.-A. (2012). Bariatric Surgery and Long-term Cardiovascular Events. JAMA, 307(1), p.56. doi:https://doi.org/10.1001/jama.2011.1914.